Blaues Wunder

Wahrzeichen Dresdens und geniale Stahlkonstruktion zugleich – das Blaue Wunder

blaues-wunder-dresdenAls die Blasewitzer und Loschwitzer Bürger Ende des 19. Jahrhunderts über den „hässlichen und angsteinflößenden Stahlkoloss“ schimpften, ahnten die Bewohner der beiden Dresdner Stadtteile noch nicht, dass diese technische Meisterleistung die berühmteste Brücke ihrer Stadt werden sollte. Die Hängebrücke verbindet die beiden ehemaligen Dörfer und heutigen Stadtteile miteinander und sie ist zugleich bis Pirna die letzte Möglichkeit, die Elbe trockenen Fußes zu überqueren, da ansonsten nur noch Fähren zur Verfügung stehen.

In nur zwei Jahren wurde die Brücke als erste ihrer Art nach Entwürfen der Ingenieure Claus Köpcke und Hans Martin Krüger errichtet und 1893 unter dem Namen König-Albert-Brücke feierlich eingeweiht. Der etwa 3500 Tonnen schwere Stahlkoloss galt wegen seiner fehlenden Strompfeiler als Wunderwerk der damaligen Ingenieurskunst, was der Brücke jedoch nur zum Teil ihren jetzigen Namen einbrachte. Auf einer faszinierenden Fotografie kann man sich die einstige Belastungsprobe der Brücke heute noch vor Augen führen: Um die Tragfähigkeit des Blauen Wunders zu testen, wurden zur gleichen Zeit drei Dampfwalzen, sechs vierspännige Pferdewalzen, drei schwer mit Steinen beladene Straßenbahnloren, ein voll besetzter Straßenbahnwagen, vier Wassersprengwagen, drei Kutschen, fünf Pferde, ein Materialwagen, eine marschierende Kompanie des Dresdner Jägerbataillons und 150 mutige Freiwillige auf den Mittelteil der Brücke postiert.

Ihren Namen “Blaues Wunder” erhielt die insgesamt 260 Meter lange Brücke dadurch, dass sie ursprünglich grün war, durch Wind und Wetter ihre Farbe jedoch in blau abgeändert hatte. Wissenschaftlich ist dieser „Farbwechsel“ nicht bewiesen, so dass es sich um eine liebevoll gepflegte Legende zu handeln scheint, die nichtsdestotrotz zum Dresdner Allgemeinwissen gehört. Es ist schon erstaunlich, wie filigran und feingliedrig die gewaltige Stahlgitterkonstruktion wirkt, was letztendlich dazu führte, dass diese Brücke zu einem der Wahrzeichen von Dresden auserkoren wurde. Kurz vor Ende des Zweiten Weltkriegs entging das Blaue Wunder nur knapp der Zerstörung: Die SS hatte im Mai 1945 bereits alles zur Sprengung vorbereitet, als zwei Dresdner Handwerker und ein Offizier unabhängig voneinander nachts die Zündkabel an den Sprengladungen zerschnitten. 1993 wurde am Blasewitzer Brückenkopf eine Gedenktafel für den Klempnermeister Erich Stöckel und den Telegraphenarbeiter Paul Zickler angebracht, der mutige Offizier blieb jedoch unbekannt. Obwohl seit 1985 keine Straßenbahnen mehr über die Brücke fahren, ist das Blaue Wunder nach wie vor stark frequentiert und benötigt dringend eine Entlastung vom unablässig rollenden Verkehr, damit man auch künftig noch den herrlichen Blick auf die Elbe und die drei Elbschlösser genießen kann.

Foto: Bildpixel | pixelio.de

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