Englische Treppe

Auf barocken Stufen zu glanzvollen höfischen Festen – die Englische Treppe und der Riesensaal

Die „große Treppe“ wurde 1692 als barocke Haupttreppe nach Entwürfen des Hofbaumeisters Johann Georg Starcke errichtet und zählte wegen ihrer extrem breiten Abmessungen und der über vier Pfeiler aufgeführten vierläufigen Bauweise zur neuen Form des barocken Treppenbaus. Es war den im Schloss residierenden sächsischen Kurfürsten ein großes Bedürfnis, ihren Wunsch nach Größe und Weitläufigkeit, der mit bequemer und großräumiger Verbindung gepaart wurde, auch architektonisch umsetzen zu lassen. Kurfürst Johann Georg IV. nahm also seine bevorstehende feierliche Einkleidung zum Ritter des englischen Hosenbandordens zum Anlass, um diese Treppe in Auftrag zu geben. Wie wichtig dieses große Ereignis dem Kurfürsten war, kann auch aus dem Umstand geschlossen werden, dass man die bis dahin „große Treppe“ genannte barocke Nobelstiege zu Ehren des englischen Gesandten Sir William Swann, der zur Verleihung des Ordens in Dresden weilte, in „Englische Treppe“ umänderte.

Nach dem Brand von 1701 musste die Treppe neu aufgebaut werden und in den folgenden Jahrhunderten wurde die repräsentative Haupttreppe des Schlosses mehrfach dem jeweils herrschenden Zeitgeschmack angepasst, zuletzt im Jahr 1895 nach Plänen von Gustav Frölich, der ihr ein Neorenaissance-Gepräge verlieh. Die Englische Treppe führte in den schon im 15. Jahrhundert angelegten und ein ganzes Geschoss einnehmenden „Dantzsall“, der unter Kurfürst Moritz bis in den Nordflügel hinein erweitert wurde. Zwölf gigantische Krieger, die auf die Wandpfeiler gemalt wurden, stützten die fünf Meter hohe Holzdecke des 56,7 Meter langen und 13 Meter breiten Saales. Der Riesensaal, wie er seit seiner Erweiterung genannt wurde, war Schauplatz prächtiger höfischer Feste und Repräsentationsveranstaltungen und wurde im Jahr 1625 vollständig erneuert und auf insgesamt 9,6 Meter erhöht. Auch der Riesensaal brannte 1701 aus und wurde nach 1718 als spätbarocker Fest- und Gardesaal wiederhergestellt. Der prächtig ausgemalte Saal wurde schließlich von August dem Starken in vier Wohnräume für seine Gattin Maria Josepha aufgeteilt und beendete 1733 seine glanzvolle Existenz.

Nach der völligen Zerstörung des Schlosses im Zweiten Weltkrieg wurde der Riesensaal in seiner Fassung von 1627 wieder hergestellt. Mit dem Riesensaal und der Englischen Treppe hat das Dresdner Schloss seine ehemalige Fest- und Repräsentationsetage wieder zurück. Allerdings finden hier dann keine rauschenden Feste mehr statt; in den größten Raum des Schlosses wird voraussichtlich 2010 die Rüstkammer einziehen, deren beeindruckende Exponate man dann nach einem standesgemäßen Aufstieg über die prächtige Englische Treppe in würdigem Rahmen besichtigen kann.

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1 Kommentar
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  1. Sehr geehrte Verfasser,

    nur ein Hinweis, die Gemahlin August des Starken war nicht Maria Josepha, das war die seines Sohnes, sondern Christiane Eberhardine von Brandenburg-Bayreuth.

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