Fürstenzug

>Ahnengalerie auf edlem Meißner Porzellan  – der Fürstenzug

Für die vielen Besucher, die tagtäglich daran vorbeidefilieren ist er ein nettes Bilderbuch an der Wand, für die Dresdner dagegen die Ahnengalerie, die fast auf einen Blick die 800-jährige Abfolge der Wettiner dokumentiert – der Fürstenzug an der Rückseite des Langen Gangs. Wer immer schon wissen wollte, wer wessen Vater, Sohn oder Bruder war, braucht nur den Fürstenzug entlang zu schreiten und schon ist man über die Genealogie des ältesten deutschen Fürstengeschlechts im wahrsten Sinne des Wortes im Bilde. Bereits in der Renaissancezeit war diese Wand mit einem in Sgraffito-Technik gemalten Reiterzug geschmückt, der die wechselhaften Zeiten jedoch nicht überdauerte. Im Jahr 1864 präsentierte der Künstler Wilhelm Walther einen Entwurf für das sächsische Familienbild und erhielt von König Johann die Erlaubnis, das Werk in die Tat umzusetzen, was in der Zeit von 1872 bis 1876 erfolgte.

fuerstenzug in dresden

In einer stark romantisch ausgeführten Darstellung entstand der 102 Meter lange und 10,5 Meter hohe Zug, der mit einem Herold und vielen berittenen Fanfarenbläsern beginnt, denen sich Konrad der Große, der Begründer der Macht des Hauses Wettin, anschließt. In verschiedenen Grüppchen folgen dann die Markgrafen, Herzöge, Kurfürsten und Könige, alle hoch zu Ross. Die Fürsten sind in ihrer jeweiligen Tracht auf dem stilisierten Wandteppich abgebildet und auch ihre Gesichtszüge sind zumeist porträtgetreu herausgearbeitet. Der Fürstenzug wird von König Georg, dem vorletzten Herrscher des am längsten regierenden deutschen Fürstengeschlechts beschlossen, dem wiederum zahlreiche Herolde und Fußvolk folgen. Außerdem sind auch der Schöpfer des Fürstenzugs sowie andere Künstler, Offiziere und Vertreter der höheren Stände darauf verewigt. Den letzten sächsischen König sucht man allerdings vergeblich; zum Zeitpunkt der Entstehung des überdimensionalen Familienbilds befand sich Friedrich August III. noch im zarten Prinzenalter und kam somit nicht auf das Bild.

Kaum fertiggestellt, traten 1877 auch schon die ersten durch Umwelteinflüsse hervorgerufenen Schäden am ursprünglich gemalten Fürstenzug auf, denen man 1901 konsequent zu Leibe rückte: Die Porzellanmanufaktur in Meißen bot sich an, den Fürstenzug für alle Zeiten auf ihrem edlen Porzellan zu verewigen. Das Ergebnis war eine gigantische Puzzlearbeit, während der das Gemälde von den besten Malern in Unterglasurmalerei auf 25.000 Kacheln übertragen wurde. Die Kacheln wurden in 50 Porzellanöfen gebrannt und fugenlos an der Wand befestigt. Das größte Porzellanbild der Welt mit 45 Reitern und 48 Fußgängern hat übrigens die Höllentemperaturen des 1945 wütenden Feuersturms unbeschadet überstanden, was nicht zuletzt der Qualität des Meißner „Weißen Goldes“ zuzurechnen ist. Die Darstellung des Fürstenzugs wurde mit einer derart peniblen Genauigkeit ausgeführt, dass man das Wandbild gleich nach seiner Fertigstellung abdruckte und in der Schule als Geschichtsbüchlein benutzte.

Foto: Bildpixel | #107727 Picasa.de

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