Glocken

Friede sei ihr erst Geläut – die Glocken der Frauenkirche

Man kann sie nicht sehen, doch ihr ist Klang mittlerweile nicht mehr aus der Dresdner Geräuschkulisse wegzudenken – die acht Glocken der Frauenkirche verkünden die Stunde und rufen die Gläubigen zu Gottesdienst, Andacht und Gebet. Im Dezember 2002 und April 2003 wurden sieben neue Glocken in Bad Friedrichshall und Karlsruhe gegossen, die zusammen mit einer altehrwürdigen Glocke aus dem Jahr 1518 das Geläut der Frauenkirche bilden.

Vor der Zerstörung der Frauenkirche ließen nur vier Glocken ihren Ruf erschallen, die alle im südwestlichen Treppenturm untergebracht waren. Sie waren größer als die jetzigen Glocken und setzten damit auch der Statik des Bauwerks entsprechend mehr zu als es bei den heutigen kleineren und auf zwei Türme verteilten Glocken der Fall ist. Außerdem mussten bei der Planung des neuen Geläuts auch die Glocken der nahe gelegenen Kreuzkirche und der Kathedrale berücksichtigt werden, damit das Ganze musikalisch miteinander harmonierte. Auch einer in modernen Zeiten fast vergessene Tradition wurde beim Guss der neuen Glocken gedacht: Bis zum Beginn der Neuzeit wurden die Glocken mit einem Namen und einem Zitat aus der Bibel versehen, außerdem wurde auch auf die künstlerische Gestaltung großen Wert gelegt.

So erhielten auch die sieben neuen Glocken der Frauenkirche ihren Namen und den dazu passenden Bibelspruch. Es wurde sogar darauf geachtet, dass der jeweilige Name passend zum Charakter und der Funktion der Glocke ausgewählt wurde. Die größte unter ihnen trägt den Namen des Propheten Jesaja und den Bibelspruch aus dem gleichnamigen Buch: „Sie werden ihre Schwerter zu Pflugscharen machen.“ Es ist die Friedensglocke der Frauenkirche, die täglich um 12 Uhr zum Innehalten und zum Gebet für den Frieden aufruft.

Die achte Glocke wurde bereits im Jahr 1518 gegossen und gehörte einst zum Geläut des Klosters Altzella bei Nossen. Nach der Schließung des Klosters gelangte „Maria“, so der Name der Glocke, in die Frauenkirche, wo sie als einzige dem Schmelzofen des Ersten Weltkriegs entging, bis sie 1925 ausrangiert wurde, weil sie musikalisch nicht mehr zum neuen Geläut passte. Ihrem „Misston“ hat sie es wohl zu verdanken, dass sie in der Anstaltskirche Wermsdorf auch im Zweiten Weltkrieg nicht zu Kanonen umgeschmolzen wurde, sondern in die Dittmannsdorfer Dorfkirche gelangte, von wo aus sie 1998 wieder an ihren alten Platz als Gedächtnisglocke der Frauenkirche kam. Das volle Geläut der Frauenkirche ertönt nur an besonderen Feiertagen, während zu den meisten anderen Sonntagen oder zu Andachten, Taufen, Hochzeiten und Vespern kleinere Teilgeläute erklingen.

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