Kuppel

Transparente Krone, Rautenhaube oder Ufo – die Kuppel über dem Kleinen Schlosshof

schloss-dresden-kuppelSieht man einmal von der umstrittenen Waldschlösschenbrücke ab, hat kaum ein anderes Bauprojekt in Dresden für derartigen Wirbel gesorgt wie das neue Kuppeldach über dem Kleinen Schlosshof. Auch die unvermeidlichen Kritiker melden sich sofort zuverlässig zu Wort und sprechen von einer Krone, die der Stadt aufgesetzt wurde oder gar einem Ufo aus dem einundzwanzigsten Jahrhundert, das sich frech störend auf dem altehrwürdigen historischen Schlosskomplex niedergelassen hat. Doch gleichgültig, für welche Variante der Meinungen man sich entscheidet, eines ist ganz sicher – die neue Kuppel ist etwas ganz Besonderes und Außergewöhnliches, die dem als Foyer dienenden Kleinen Schlosshof ein ganz gewisses Flair verleiht. Egal, ob es regnet, hagelt, stürmt oder schneit, hat man erst das Foyer des künftigen Museumskomplexes betreten, ist man dank der hypermodernen Haube vor jeglichen Wettereinflüssen geschützt und fühlt sich fast schon wie in einem der anschließenden Museen. Denn aller Kritik zum Trotz erscheint das historische Gemäuer rund um den Schlosshof gerade durch das schützende Rautendach als etwas Kostbares und Schützenswertes, was man zuvor kaum als solches erkannte.

Das von Architekt Peter Kulka entworfene High-Tech-Dach besteht aus einer 84 Tonnen schweren Stahlkonstruktion, deren zweimal zwei Meter große Rauten in luftiger Höhe in feinster Millimeterarbeit zusammengeschweißt wurden. Zuvor mussten jedoch erst die Mauern verstärkt werden, um das gewaltige Gewicht im wahrsten Sinne des Wortes zu stemmen. Anschließend wurde die Stahlkonstruktion mit 265 transparenten Luftkissen bespannt. Diese an sich schon beachtliche architektonische Leistung wird noch dadurch „aufgewertet“, dass man beim Betreten des Foyers durch das Löwentor von der Schlossstraße aus das in 34 Meter Höhe thronende Rautendach als luftige und filigran scheinende Konstruktion wahrnimmt. Man kann es sogar mit einem anmutig geknüpften Netz vergleichen, ähnlich der Haube einer mittelalterlichen Dame, das da als transparente Krone dem Residenzschloss ein modernes und zugleich zeitlos anmutendes Sahnehäubchen aufsetzt.

Schon vor der feierlichen Eröffnung des Eingangsbereiches wurden Vergleiche mit der modernen Pyramide des Pariser Louvre oder dem Eingangsbereich des British Museum in London gezogen, eine Konkurrenz, mit der es das Dresdner Schloss allemal aufnehmen kann. Allein die Überdachung und der Ausbau des Kleinen Schlosshofes schlugen mit 7,5 Millionen Euro zu Buche, doch sollte man diese Zahl ins Verhältnis zu den unermesslichen Schätzen setzen, die man durch das Foyer erreicht und die den Besucher in eine Geschichte von Tausend und Eine Nacht entführen. Auch wenn manchen Dresdnern die Membrankuppel ein Dorn im historisch empfindenden Auge sein mag, käme es auf einen gedanklichen Versuch an, um die frei und stolz über dem Kleinen Schlosshof schwebende Rautenkuppel als gelungenes Zugeständnis an die Moderne zu betrachten, die letztendlich den Wiederaufbau des jahrzehntelang in seinem Dornröschenschlaf ruhenden Schlosses ermöglich hat.

Foto: Anja Künkel

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