Waldschlösschenbrücke

Von lieblichen Elbauen, winzigen Fledermäusen und dem verlorenen Welterbetitel – die Waldschlößchenbrücke

Wohl kaum eine andere Brücke in Deutschland oder gar Europa erfreut sich einer derart traurigen Berühmtheit wie die Dresdner Waldschlößchenbrücke – und das noch lange vor ihrer Fertigstellung. Sie ist nicht nur innerhalb Dresdens in aller Munde und immer wieder für Leitartikel in der regionalen wie überregionalen Presse gut, hat sie Sachsens Hauptstadt schließlich nach langem Ringen um den begehrten UNESCO Welterbetitel gebracht (Bericht: Dresden nicht mehr Unesco Weltkulturerbe).

Was hat es also auf sich mit dieser doch so dringend benötigten Brücke, die eine neue Lebensader für die vor Verkehr schier berstende Stadt werden soll? Brücke ja, jedoch nicht an dieser Stelle und dann auch nicht so monströs. Schließlich erhielt Dresden den Titel nicht für seine herrlichen barocken Bauwerke oder die neu erstandene Frauenkirche, nein, das Elbtal zwischen Übigau und Pillnitz wurde zur Welterbe-Stätte erhoben. Auf dem etwa 19,5 Kilometer langen Flussabschnitt zeigt Dresden das Schönste, was Elbflorenz zu bieten hat: Das harmonische und naturbelassene Zusammenspiel von Stadt und Flusslandschaft. Dieses einzigartige Geschenk der Natur wurde bereits seit vielen Jahrhunderten respektiert und sogar geschützt. Schon Mitte des 19. Jahrhunderts untersagte ein für damalige Zeiten sehr moderner Bebauungsplan die städtebauliche Nutzung der Elbwiesen und forderte sogar noch mehr Grün für die stetig wachsende Metropole an der Elbe.

Auch in der turbulenten Zeit nach der Wiedervereinigung wusste sich Dresden erfolgreich gegen Spekulanten und Bauherren zur Wehr zu setzen, die mit einer Bebauung des begehrten Areals inmitten der Stadt von gewaltigen Gewinnen träumten. 1996 zerplatzen diese Träume endgültig, als Elbwiesen und alte Elbarme zum Landschaftsschutzgebiet erklärt wurden. Nach der Ernennung der Elbauen zur Welterbe-Stätte kam der Brückenplan, der trotz heftiger Proteste und unter Ausschöpfung diverser Rechtsmittel umgesetzt wurde. Zwar schien es kurze Zeit so, als würde eine winzige Fledermausart den Brückenbau stoppen, doch gelang es der Kleinen Hufeisennase auch nicht, das Bauvorhaben zu verhindern, zumal noch niemals einer der kleinen Flattermänner im näheren und weiteren Umfeld der Waldschlößchenbrücke gesichtet wurde. Auch die vehement geforderte Tunnellösung wurde verworfen – technische Probleme, ungeeignetes Terrain und natürlich die leidige Kostenfrage gaben hier den Ausschlag. Wer heute von der gegenüberliegenden Elbseite auf die noch im Werden begriffene Waldschlößchenbrücke schaut, blickt auf eine große klaffende Wunde, die sich sicherlich im Laufe der Zeit zurückbilden wird, doch die Stahlbrücke bestimmt dann das Gesicht der Elbwiesen, die nicht mehr die gleichen sein werden – ob mit oder ohne Welterbetitel.

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