Wiederaufbau

Barocker Phönix aus der Asche – der Wiederaufbau der Frauenkirche

Sie sollte eigentlich als „Mahnmal für den Frieden“ auf unbestimmte Zeit ihr Ruinendasein fristen – der Wiederaufbau der Frauenkirche wurde zu DDR-Zeiten aus Geldmangel und fehlendem politischen Willen immer wieder hinausgeschoben. Doch am 13. Februar 1990 ging die Bürgerinitiative „Wiederaufbau Dresdner Frauenkirche“ mit dem „Ruf aus Dresden“ an die Öffentlichkeit.

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1994 entwickelte sich aus dieser Initiative die Stiftung Frauenkirche, die weltweit um Unterstützung für das gewaltige Bauvorhaben warb. Mit Erfolg, denn bald schon konnte die Stiftung zahlreiche Mitglieder – zuletzt waren es etwa 13.000 Menschen in 23 Staaten – gewinnen, deren Spenden sowie die unzähliger anderer Bürger auch schließlich den Bau des prächtigen Gotteshauses ermöglichten, das heute so selbstbewusst den Dresdner Neumarkt dominiert. Bei Baubeginn im Jahr 1994 erblickte man nur geschwärzte Steine soweit das Auge reichte. Etwa 26.000 Kubikmeter Trümmer wurden abgetragen, aus denen die noch verwertbaren Steine heraussortiert, katalogisiert und in gewaltigen Regalen am Neumarkt und am Elbufer aufgeschichtet wurden.

Heute wirken die tiefschwarzen Steine im hellgelben Sandsteinbau wie Flicken oder alte Narben, die sehr eindrucksvoll an die Geschichte der Frauenkirche erinnern. Neben der riesigen Geldsumme, die es zu beschaffen galt, bestand eine der Hauptschwierigkeiten des Wiederaufbaus darin, dass so manches alte Handwerk wieder erlernt werden musste. Es galt Sandstein zu sägen, einzupassen und dann weiterzubearbeiten. Alte und traditionsreiche Handwerkskunst verwob sich geschickt mit modernster Technologie und das alles unter den strengen Blicken des Denkmalschutzes. Als im Jahr 2000 der Herzog von Kent das von Großbritannien gestiftete neue Turmkreuz feierlich übergab, war dies neben einem großzügigen Geschenk auch ein Symbol der Versöhnung und des Dialogs zwischen den beiden ehemaligen Gegnern.

Bewegt lauschte ganz Dresden an Pfingsten 2003 dem Geläut der Frauenkirche, das nach 60 Jahren zum ersten Mal wieder zu hören war.Ein weiterer Höhepunkt ereignete sich im Sommer 2004, als ein Kran Turmhaube und Kuppelkreuz aufsetzte, das die Fertigstellung der äußeren Hülle symbolisierte. Bei der feierlichen Weihe am Reformationstag am 30. Oktober 2005 vollendete sich das gewaltige Werk, dessen Gesamtkosten von insgesamt 180 Millionen Euro immerhin zu zwei Dritteln, also 110 Millionen Euro aus Spenden bestritten wurden. Etwa 43 % der Frauenkirche wurde aus Originalmaterial errichtet, zwei Drittel des Gebäudes bestehen aus neuen Steinen. Heute ist die Frauenkirche Gotteshaus, Gedenkstätte und Konzertraum zugleich und eine der Hauptattraktionen für Dresdenbesucher aus der ganzen Welt.

Foto: Löwe | Bundesarchiv Bild 183-60015-0002

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