Zwingergärten

Die Gartenanlagen im Zwinger – von Versailles bis zur Volksbühne

zwinger gaerten statuenWie so vieles in der Zeit des vor Prunk und Pracht strotzenden Barock sollte auch der Dresdner Zwinger dem Ideal von Schloß Versailles nachempfunden werden. Dies galt vor allem den Gartenanlagen, für die sich der große Baumeister Pöppelmann höchstpersönlich nach Frankreich begab, um im Park von Versailles Eindrücke zu sammeln und sich inspirieren zu lassen. Dabei besuchte er auch noch andere Gartenanlagen, die wie Versailles auch von dem berühmten französischen Gartenbauarchitekten André Le Nôtre geschaffen wurden. So flossen neben dem Lustschloss des Sonnenkönigs auch Eindrücke der Wasserspiele von Saint-Cloud sowie des von Jules Hardouin-Mansart geschaffenen Parks von Marly-le-Roi in das Zwingerkonzept Pöppelmanns mit ein.

Auf seiner Rückreise nach Sachsen besuchte er noch das holländische Schloss Het Loo bei Apeldoorn, das ihn ebenfalls zu einigen architektonischen Besonderheiten für sein Dresdner Großprojekt inspirierte. Doch der ausgedehnte und an barocker Prachtentfaltung kaum hinter Versailles zurückstehende Lustgarten, den Pöppelmann an der Nordseite des Zwingers vorgesehen hatte, kam über das Planungsstadium nie hinaus. Beabsichtigt war, den Lustgarten auf der gesamten Fläche vom Kronentor bis zum Elbufer, wo heute das Italienische Dörfchen steht, zu errichten und den Innenhof des Zwingers zudem mit dichten Ziergehölzen und Blumenrabatten im französischen Stil zu gestalten. Der Lustgarten wurde aus Geldmangel nur auf die direkte Umgebung des Zwingers beschränkt und die Bepflanzung des inneren Zwingers musste wegen der Vergnügungssucht des sächsischen Hofes auf ein Minimum reduziert werden, da der Innenhof für Festlichkeiten benötigt wurde.

Der Klassizismus machte den barocken Plänen für einen Lustgarten endgültig den Garaus, was nicht zuletzt den in der Mitte des 18. Jahrhunderts geführten Kriegen geschuldet war. Der Zwinger verkam zur Volksbühne und wurde sogar als Durchgangsstraße für Kutschen und öffentlichen Verkehr genutzt, so dass die entgegen ihrer ursprünglichen Planung sehr sparsam durchgeführte Zwingerbepflanzung schließlich vollständig verschwand. Heute präsentiert sich der Zwinger mit großzügig angelegten Wegen und streng geometrisch gestalteten Rasenflächen, wogegen sich der am Zwingergraben angelegte Teich mit seiner parkähnlichen Umgebung beinahe schon romantisch und verträumt ausnimmt. Letztendlich muss man die Zwingeranlage als barocke Gesamtkonzeption begreifen, die auch der Natur jegliche Form von Selbstbestimmung und Individualität absprach – Absolutismus in architektonischer Form eben, wo sich alles dem übermächtigen Herrscher unterzuordnen hatte.

Foto: Anja Künkel

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